Bele Bachem über sich selbst
Bele Bachem

Den von meinem Vater vorbestimmten Beruf widersetze ich mich nicht. Nicht wissend, dass ich sowieso ohne jedes Zu- oder Abreden als Malerin geboren wurde.
Er, der Vater, selber Maler, warf sich verblendet und kühn zu dem Feenspruch auf: "Du wirst ein zweiter Rubens." Stattdessen in die Schule gehen wurde ich im Modellzeichnen dressiert. Der Maler ist ein Seher, anders als andere erlebt, erkennt er die Welt einzig im Sehen.
Man zählt mich zu den Surrealisten, doch ich bin Portraitistin. Portraitieren heißt für mich zu versuchen, den Hintergrund der Darzustellenden zu erfassen. Die Professoren der Akademie dispensieren mich vom Unterricht: "Malen und Zeichnen Sie Ihre Phantasiebilder."
Die ersten Bilder waren Miniaturen, voll von Liebe und heiter, in einer Zeit des Fürchtenlernens. Auch ich fürchte und malte die Wunschwelt. Ich bekam Veröffentlichungsverbot durch die Nazis.
Der Krieg verschlang unsere Männer, und fraß ganze Städte bis aufs Gerippe auf. Alles war verloren. Flucht auf Land mit meiner kleinen Tochter. Schwiegerväter, Mütter über Mütter – die Liebe war das Kind.
Die Bäume waren schwarz und kahl. Die Häuser hatten Risse, es wurden meine Risse. Ich malte. Die Bilder wurden größer und dunkler, von schwarz und grüner Umbra besessen. Das allerkälteste Blau, welches sie duldeten, wurde vom Dunkel in die Mitte geworfen und bekam das magische, unheimliche Leuchten, was meinem Denken entspricht.
Indessen leistete ich mir die Orgien des Verspielten und der Phantasie in Porzellan und Bühnenbildern. Doch da das Malenmüssen schwerer wiegt als anderes, kehrte ich diesen Aufgaben den Rücken.
Das innere Fieber trieb mich, das Leben, welches mir in die Seele genagelt wurde, immer wieder neu zu gestalten. Stets ein Versuch, etwas sichtbar zu machen, was man selber nicht weiß.

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